Vom Daten tragen

Ich habe mir die neue CD von Moby gekauft. Sein neues Album liegt nun neben mir und iTunes überträgt es gerade auf meine Festplatte. Und ich frage mich nun warum. Warum?

Nicht falsch verstehen, ich bin ein großer Fan des New Yorkers, ich halte ihn auch als Person für sehr inspirierend und liebe seine Arbeit. Als Fan ist es also keine Besonderheit für diese Arbeit auch gern zu bezahlen.

Trotzdem frage ich mich nun, warum dieser ganze Aufwand. Ich habe die Platte vor ein paar Tagen vorbestellt, am Freitag erschien sie. Amazon hat sie mir pünktlich geliefert, doch der Postbote und ich hatten an dem Tag wenig Zeit füreinander. Also lag die Scheibe nun ein Wochenende bei der Post, zu der ich nun gerade eben gegangen bin, mir mein Päckchen abgeholt habe, die Platte nun durch iTunes läuft, ich mir das Albumartwork mühsam herunterladen muss, damit die CD ins Regal zu den anderen Platten wandern kann. Danach werde ich wohl nur noch den CD Rücken des Albums zu Gesicht bekommen.

Warum mach ich das alles nun? Ich hätte mir ebenso gut die Platte DRM-frei bei iTunes für einen Zehner runterladen können. Hätte sie am Freitag schon gehabt, hätte Geld gespart, hätte Platz im Regal gespart, hätte Zeit gespart.

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich so nur noch bei ganz wenigen Künstlern vorgehe, bei denen ich mich selbst als Hardcore-Fan bezeichnen würde. Trotzdem ist dieses Verhalten total schwachsinnig und auch mit Nostalgie nicht vollends zu rechtfertigen. Ähnlich verfahre ich auch beim Kauf von Filmen auf DVD. Leider gibt es ja nicht mal ansatzweise vernünftige Vertriebsstrukturen für Runterladefilme, also ist man auf die DVD angewiesen. Doch warum will ich immer gleich die Special-Deluxe-SteelBook-Remastered-DirectorsCut-Edition? Ich guck doch eh nur den Film im O-Ton, deswegen kaufe ich die DVD, die wiederum im Regal verstaubt.

Im Grunde ist dieser ganze physische Sammelwahn doch absoluter Quatsch, kostet Geld und nimmt Platz weg. Trotzdem fällt es schwer, vom Datenträger loszulassen…

17 Responses

  1. Nee, ich bin immer noch für CDs (oder LPs oder sonst ein physisches Trägermedium).

    Obwohl ich auch nur MP3s höre, kann ich trotzdem nur zu physischen Trägern sowas wie eine Beziehung aufbauen, sprich sagen: Das gehört mir!

    MuGo - 31. März, 2008 at 18:56
  2. Man fühlt sich bei etwas das man wirklich anfassen kann wahrscheinlich einfach sicherer als bei einem virtuellen Gut.

    Markus - 1. April, 2008 at 14:36
  3. Möglich, trotzdem ist es doch einfach sehr schizophren sich einen physischen Datenträger zu kaufen, alle seine Nachteile einfach so hinzunehmen, um ihn dann nur noch als digitale Kopie zu nutzen.

    Die Sache mit der Sicherheit ist richtig, kann man aber über gescheites backupen lösen.

    Und zu der Zugehörigkeit: Du kannst also nicht in deine iTunes-Mediathek schauen und sagen: “das gehört mir!”?

    izanagi - 1. April, 2008 at 15:45
  4. Jaja, dieses “Dilemma” ist mir ebenfalls bekannt, nur ist das ja wie bei all solchen Sachen, dass sie im Regal oder vor der Haustür (je nach Objekt) eben “besser” wirken. Man hat auch grundsätzlich was “echtes” in der Hand. Nach hunderten Anführungsstrichen ist das Problem jedoch noch immer nicht gelöst…

    ichistmeinname - 1. April, 2008 at 17:54
  5. Aus meiner Sicht sind es zwei Dinge, die uns zu dieser, wie Du sie nennst, etwas schitzophrenen Handlung bringen: Zum einen ist der Mensch, auch wenn die Formulierung ”Analoger Held in einer digitalen Welt”, einst gebraucht, um den Helden in Stirb Langsam 4.0 zu charakterisieren, den (falschen) Umkehrschluss zu erlauben scheint, dass es auch digitale Helden geben könnte, ein per definitionem zutiefst ”analoges” (hier nur zu Anschaulichkeitszwecken verwendeter Begriff, an sich ziemlich bescheuert) Wesen. Das heißt, wenn der Mensch etwas sein Eigen nennen möchte, dann muss er es sehen/fühlen können (für das optimale Wohlbefinden muss er beides können). Man nennt dies wohl die haptische Komponente des ”Besitzens”. Allerdings scheint es so zu sein, dass sich diese beiden Aspekte, der ”analoge” Charakter des Menschen an sich und die Freude an der Haptik gegenseitig zu bedingen und zu ergänzen scheinen. Stellt sich nun nur die Frage, wie der Mensch in den nächsten Jaherzehnten zurechtkommen soll. Vieleicht wird ihn ja nicht der 3. Weltkrieg vernichten, sondern die analoge Welt wird von der digitalen vernichtet, aber das ist nur eine schelcht fundierte These… oder so

    Malte - 2. April, 2008 at 10:53
  6. @iza:

    Nö, meine iTunes-Sammlung konsumiere ich. Wie soll ich auch sagen, dass es mir gehört? Rechtsklick, speichern, dass ist nicht gerade die komplizierteste Übung, wenn man im Internet unterwegs ist. Eben weil ich soviel darunter habe, was ich kostenlos (legal und illegal) heruntergeladen habe, fällt es mir schwer, das als Eigentum wahrzunehmen. Von den MP3s, die ich mir aus den Leih-CDs der Stadtbücherei überspielt habe, mal ganz zu schweigen…

    MuGo - 2. April, 2008 at 13:11
  7. Warum? Weil es nur eine Kopie unter vielen ist?

    Für mich kein besonders guter Grund. Klar, Musik ist Massenware, die ich immer und überall konsumieren kann. Ich greife einfach nicht mehr ins Regal, nehme eine CD aus ihrer Hülle und lege sie in ein Laufwerk. Warum auch, Musik umgibt mich einfach ständig.

    Lediglich bei Filmen sehe ich den Griff ins Regal noch für einigermaßen sinnvoll, schließlich konsumiere ich einen Film in der Regel keine dutzende Mal, teilweise auch in einer Dauerschleife wie einen Song.

    Aber der Besitzanspruch ist bei dir wirklich so hoch, dass du stets eine Kopie im Regal stehen haben musst?

    izanagi - 2. April, 2008 at 13:20
  8. Nein, nein, nein, da hast du mich falsch verstanden oder ich mich schlecht ausgedrückt - mir geht es nicht um den Besitz, aber ich habe keinen Bezug zu Sachen, die ich nicht wahrnehme. Und eine MP3 nehme ich nicht als Musik wahr, sondern als Datei, die gewissermaßen zum Computer gehört. Natürlich, ich könnte sie mir einfach auf eine CD brennen und diese ins Regal stellen. Aber es ist nicht dasselbe; bei jeder CD nehme ich wahr, dass ein Mensch sich damit auseinandergesetzt hat - jemand hat sich ein Coverdesign einfallen lassen und, wenn der Künstler meine Hochachtung will, noch ein Booklet und ein paar Gimmicks für den PC drauf gepackt. Im Endeffekt: Ich bekomme einen sichtbaren Gegenwert für mein Geld (ob der fair ist, ist eine ganz andere Sache).
    Eine MP3 lade ich aber “nur” runter, auch dann, wenn ich dafür Geld bezahle. Da passiert nichts physisches - imaginäres Geld (das auf meinem Konto, also kein Bargeld) wird für eine imaginäre Ware (ein digitales Datenpaket) überwiesen und im Hintergrund findet der Download statt. Das ist für mich einfach nicht real.
    Das ist genauso wie mein Geld auf dem Konto: Ich besitze es, klar, aber für machen 20 Euro und 2000 Euro keinen großen Unterschied - außer dass ich bei ersterem nicht einfach spontan zum Bankautomaten gehen kann oder mit karte zahle. Aber ich fühle mich dadurch nicht reicher oder ärmer. Reich fühle ich mich dann, wenn ich Zugriff auf alles habe, was ich will - und der Griff ist hier wörtlich gemeint…

    Außerdem kommt gerade bei digitalen Daten für mich noch hinzu, dass es mich nervt, dass ich keine Datenanrechte, sondern Daten kaufen muss. Wenn ich also heute eine MP3 kaufe und morgen geht meine Festplatte kaputt und ich war - wie immer - zu faul, eine Sicherungskopie zu erstellen, habe ich das Nachsehen; hätte ich aber ein Anrecht auf ein Lied (oder einen Film), könnte ich ihn dann einfach nocheinmal runterladen. Da gibt mir eine CD einfach mehr Sicherheit. Natürlich, auch diese ist nicht ewig haltbar und ich sollte bei den Älteren langsam anfangen, auch hier Sicherheitskopien herzustellen, aber es ist eine Kopfsache, und das sollte man auch nicht unterschätzen…

    Und zu guter Letzt: Natürlich wäre auch ich bereit, total in die digitale Welt einzusteigen - wenn es eine Flatrate gäbe, die mir für, sagen wir, 30 Euro im Monat Zugriff auf sämtliche (digitalisierten) Musikstücke der Welt geben würde. Mehr könnte ich derzeit nicht aufbringen, weniger Titel wären es mir nicht wert, eine Flatrate zu bezahlen…

    MuGo - 3. April, 2008 at 0:56
  9. Schöne Diskussion, danke erstmal dafür!

    Scheint für mich eine Mentalitätsfrage zu sein, denn bei mir ist es genau anders herum. Ich gebe dir aber Recht, man muss wirklich mehr Sicherheit bei den Downloads haben, wenn die Platte mal abschmiert etc., das ist (noch) etwas ungünstig gelöst.

    Aber zu deiner Sache mit dem Gegenwert: Schön und gut, aber du schreibst “Reich fühle ich mich dann, wenn ich Zugriff auf alles habe, was ich will”, was ich auch so sagen würde. Nur wäre mein Zugriff stets der zu Datei, statt zum Gegenstand. Für mich wäre eine Flatrate auch nichts, weil ich die Musik ohne Einschränkungen will, also lokal auf meiner Platte für theoretisch immer. Und gerade deswegen muss ich sie nicht auch noch im Regal stehen haben, zumindest nicht mehr so stark wie noch vor ein paar Jahren.

    In meinen Augen macht sich ein Künstler mittlerweile auch eher beliebt, wenn er die digitale Welt versteht und mir dort einen Gegenwert liefert. Ich habe noch nie so schnell und so gern 5$ wie bei dem neuen NIN-Album überwiesen. Unter CC-Lizenz, mit schickem Coverartwork in einer Bitrate meiner Wahl für über 30 Tracks sofort. Ein perfekter Deal und sowas will ich definitv öfter sehen, statt langweiligem Booklet mit Pressefotos und ohne Lyrics.

    Wie gesagt, es scheint mir auch eine Mentalitätsfrage zu sein, aber gerade deshalb sehe ich die digitale Version stets im Vorteil, denn: So könnte alle zufrieden stellen, billig und einfach, Extrawünsche wie Vinyl- und CD-Versionen wären auf Anfrage immer möglich (siehe NIN). Für den schnelle, einfachen, unkomplizierten Musikkonsum scheint sie aber eine gute Grundlage zu bieten.

    izanagi - 3. April, 2008 at 2:10
  10. Also auf jeden Fall ist die digitale Datei eine gute Grundlage für die Zukunft. Aber wie gesagt - das ist eine Kopfsache.

    Und bei der Flatrate wollte ich auch, dass ich die Dateien speichern kann. Aber eben auch wieder löschen ohne befürchten zu müssen, dass ich mich nach drei jahren ärgere, weil genau dieses eine Lied eigentlich ziemlich geil ist…

    Summa summarum: Derzeit bin ich überaupt nicht zufrieden, was das Musik kaufen angeht; CDs sind zu teuer (aber auch Downloads), MP3s nehme ich einfach noch immer nicht als gleichwertig wahr. Mal sehen, wie es weitergeht. Erstmal bleibe ich bei meinem bisherigen System, möglichst nur jahrealte CDs zu kaufen, die nur um die 5 Euro kosten…

    MuGo - 3. April, 2008 at 19:43
  11. Schönes Fazit, auf welches wir uns einigen können :-D

    izanagi - 3. April, 2008 at 22:24
  12. Ich als jemand, der sich auch nicht wenig mit Underground-Musik auseinandersetzt, HASSE es, wenn Künstler, die ich wirklich gut finde, ihre Alben als Download ANSTATT auf CD releasen. Und das obwohl die Dinger dann in der Regel als Free-Download erscheinen, ich das Ganze sogar geschenkt kriege. Ich will sowas einfach im Regal. Warum auch immer. Vielleicht sind es die alten Instinkte des Jägers und Sammlers. ;)

    Lukas - 3. April, 2008 at 22:35
  13. Brennen? So mit SuperDrive und MacBook?

    izanagi - 3. April, 2008 at 23:24
  14. Sorry, ich meine natürlich ComboDrive ;-P

    izanagi - 3. April, 2008 at 23:28
  15. Sorry Malte, dein Comment ging in den Spam, aber ebenfalls sehr schöne These!

    izanagi - 5. April, 2008 at 0:18
  16. Wie schäbig ist denn selber brennen und Cover drucken? Ich bitte dich, das ist ein Beleidigung für jeden Sammler.

    Lukas - 5. April, 2008 at 4:27
  17. Naja, du hättest deine CD, aber ich weiß was du meinst. Aber gerade bei Underground-Musik kannst du sowas nicht verlangen, warum auch, da ist mir ein Download für den Künstler auch einfach lieber, weil ich weiß, dass er weniger finanzielles Risiko tragen muss.

    Ich verweise aber gern nochmal auf die Aktion von Nine Inch Nails. Mucke unter Creative Commons für lau, wer will darf gern 5$ für den Download zahlen, oder ne Doppel-CD für nen Zehner, oder das Paket mit DVD und Blu-Ray oder aber für 300 Tacken alles schön auf Vinyl mit Signierung des Meisters persönlich. Das ist in meinen Augen ideal, weil es dem Kunden die Wahl lässt. Würde jeder so releasen, hätte wir hier alle Kommentare unter einem Hut vereint…

    izanagi - 5. April, 2008 at 12:15

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