Man, these Anti-Piracy-Ads are gettin’ really mean!

Als ich Dezember diesen Blog ein wenig neu ausgerichtet habe, sind die Filmrezessionen ebenfalls rausgestrichen worden. Dabei bleibt es auch, doch trotzdem möchte ich ein paar Gedanken zum Film aus der Sneak Preview gestern Abend verlieren.

“Untraceable” hieß das Bewegtbild und konnte schon unterhalten. Irgendein Psycho entführt Leute und lässt sie live im Netz töten. Je mehr Leute sich auf die Seite killwithme.com in den Stream einloggen (übrigens unfassbar schlecht für die Werbekampagne tatsächlich ins Netz gestellt), umso schneller stirbt das Opfer in irgendeinem brutalen, Saw-liken Szenario. Interessanter Ansatz, die Gaffermentalität im Netz für Killerspielchen auszunutzen. Hollywood entdeckt das Netz oder so. Natürlich gewohnt oberflächlich, aber durchaus spannend.

Viel interessanter sind mir aber die ersten Minuten im Gedächtnis geblieben. Zum einen scheint der Film ein wunderschönes Product-Placement-Tool für Microsoft zu sein. Überall sind Windows-Rechner und -Mobile-Handys zu sehen.

Zum anderen, und das ist der eigentliche Grund für dieses Posting, schien er ein nicht enden wollender Anti-Piracy-Clip zu sein. der Film beginnt damit, wie eine Ermittlerin in ihr Büro geht, an ihren wunderschönen Windows-Vista-Rechner geht und sofort mit der Arbeit beginnt. Die Kollegen gesellen sich dazu und man sieht die ersten Fandungserfolge an einem anderen Schauplatz. Ein Familienvater wird für das Herunterladen von billigen Pornos und Software/Filme/Musik/wasweißich von einem Einsatzkommando verknackt. Doch unserer cleveren Ermittlerin ist ein Detail nicht entgangen: Es wurde auch eine teure Uhr von dieser Adresse im Netz bestellt, termingenau zum nahenden Geburtstag des Familienvaters. Also muss es sich um unseren Powerloader auch nicht nur um den Vater gehandelt haben, nein, auch der junge Sohn (scheinbar um die zehn Jahre alt) muss sich kräftig im Netz bedient haben. Somit werden Vater und Sohn gemeinsam in Handschellen abgeführt. Ein Erfolg für das High-Tech-Department und definitiv ein hübscher Moment für das Familienfotoalbum.

“Spürt den langen Arm des Getztes!” scheint der Film zu rufen, “Raubkopierer sind Verbrecher!” liest man nich nur zwischen den Zeilen. Unfassbare Propaganda.

Interessant vor allem, dass man sich eben nicht scheut den Alltag der Ermittler so aufzuziehen. Die Bilder zeigen, mit welche einem Ausmaß gegen Filesharer vorgegangen wird. Egal ob Vater oder Sohn, jeder wird von einem High-Tech-Team bis vor die Haustür mit allen technischen Möglichkeiten und übertriebener Manpower verfolgt und verknackt. Ein wenig wie eine kleine CTU und Agentin Jacky Bauer muss mal wieder die Welt vor den Netzterroisten retten!

Zum Glück kann sie schon bald ihre ganze Energie auf den Killer richten, und zur Abwechslung mal wirklich wichtige Straftaten, nämlich bestialische Morde, verfolgen. Garniert wird das ganze dann noch mit jeder Menge Bullshitbingo, ständig schwirren irgendwelche Begriffe aus dem Netz durch die Gegend (Threads, Postings, Blogs, IPs…”Bingo”).

Wie gesagt, es soll hier weniger um die filmische Qualität als diese grandios offensichtliche Propaganda gehen. Anscheinend kann man die Leute mit weniger hollywoodesken Bilden nicht mehr erreichen…

2 Responses

  1. Hell, ich fand den Film schon beim Anblick des Trailers lächerlich, aber was hier noch bei dir lese, klingt richtig schlimm.

    PlayStar - 28. März, 2008 at 20:00
  2. Naja, er ist durchaus unterhaltsam (weit von einem Meisterwerk entfernt!) und entwickelt nach den ersten Minuten auch eine etwas andere Richtung, doch ist mir gerade diese Einleitung im Kopf geblieben.

    Sehen muss man ihn aber auf keinen Fall…

    izanagi - 28. März, 2008 at 23:37

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